Syngenta verschwieg Antibiotikaresistenz

Syngenta verschwieg Antibiotikaresistenz
Genmanipulierter Süßmais auch in die EU gelangt


München, 30. März - Der versehentlich vertriebene illegale Genmais Bt10 enthält Resistenzgene gegen das Antibiotikum Ampicillin. Dieses ist in der Humanmedizin weit verbreitet. Wie das Unternehmen zugeben musste, ist dies der Unterschied zu der zugelassenen Linie Bt11, mit der die Lieferungen verwechselt worden waren. Auch über die Menge der in den Handel gelangten Menge an Saatgut hatte Syngenta falsch berichtet. Nicht einige Hundert Tonnen, wie anfangs behauptet, sondern rund 187.000 Tonnen Genmais sind in die Nahrungskette gelangt. Auch in die EU wurde der nicht zugelassene Mais geliefert, räumte das Unternehmen inzwischen ein.

Die Regierungen der bisher betroffenen 12 Länder haben wegen der von Syngenta vorgegaukelten Ungefährlichkeit von Bt 10 auf Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung verzichtet. Die europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA empfiehlt, diese Resistenzgene nur noch im Rahmen von Freisetzungsversuchen zu erlauben, nicht jedoch bei kommerziell angebauten genmanipulierten Pflanzen. Bt 10 wäre daher in der EU nie zugelassen worden. Der Verzehr von Produkten, die Anitbiotikaresistenzgene enthalten, kann dazu führen, dass die entsprechenden Antibiotika nicht mehr wirken.

Andreas Bauer, Gentechnikexperte beim Umweltinstitut München e.V., fordert deshalb: "Antibiotikaresistenzgene haben nichts in der Nahrung verloren. Die europäischen, aber auch die deutschen Behörden sind nun in der Pflicht, umgehend zu handeln. Alle Maislieferungen aus den USA müssen sofort gestoppt und bereits in den Handel gekommene Produkte zurückgerufen werden. Dieser Skandal wirft zudem gravierende Fragen über die Möglichkeit auf, gentechnisch veränderte Pflanzen unter Kontrolle zu halten. Die Regierungen Europas müssen daher das Anbau-Moratorium wieder in Kraft setzen und sich überlegen, ob die vollmundig gepriesene Koexistenz nicht reine Augenwischerei ist."

Die Verwechslung ist insbesondere deshalb schwerwiegend, da es sich um eine Süßmaissorte handelt, die explizit für den menschlichen Verzehr gedacht ist. Die "Verwechslung" der Genkonstrukte war dem Konzern über mindestens vier Jahre hinweg bereits bei der Saatgutvermehrung unterlaufen. Das Saatgut war an US-Landwirte verkauft worden.

Quellen:
http://www.nature.com/news/2005/050328/full/434548a.html
http://www.efsa.eu.int/science/gmo/gmo_opinions/384_en.html

Weitere Informationen:
Andreas Bauer, Tel. (089) 30 77 49-14
E-Mail: gen@umweltinstitut.org

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